lehrstuhl baukonstruktion
professor hartwig schneider

fakultät für architektur
rwth aachen

Stampflehm–Mauerwerk

Der Stampflehmbau, eine seit Jahrhunderten in vielen Teilen der Erde beheimatete Lehmbautechnik, gewinnt derzeit wieder an Bedeutung in Europa. Neben den zahlreichen bauphysikalischen und ökologischen Vorzügen von nicht stabilisiertem (weder kalk- noch zementgebundenem) Lehm bringt der Stampflehmbau auch besondere ästhetische Qualitäten mit sich. Die Technik eignet sich zudem zur Erstellung direkt bewitterter Außenwände, in welchen das Material seine volle Wirkung entfalten kann.

Wenngleich traditionell eine Vor-Ort-Bauweise, vollzieht der Stampflehmbau in den letzten Jahren eine deutliche Entwicklung in Richtung der Vorfertigung. Zur Herstellung von tragenden als auch nichttragenden Wänden im Innen- und Außenbereich finden meist große Elemente (Einzelgewicht bis zu 5 t) Anwendung, mit denen ein möglichst effizienter und ökonomischer Bauprozess angestrebt wird.

Bislang kaum erforscht hingegen sind die Anwendungsmöglichkeiten klein- bis mittelformatiger Elemente, deren Versatz per Hand bzw. leichtem Hebegerät (z.B. Minikränen) möglich ist. Hier ansetzend, beschäftigt sich das Forschungsprojekt mit konstruktiven und gestalterischen Potentialen eines Stampflehm-Mauerwerks.
Ein Fokus liegt dabei auf der Untersuchung von Prinzipien des „konstruktiven Erosionsschutzes“ für den Anwendungsfall der bewitterten Außenwand.

Seminarreihe

In einer Reihe von Seminaren im Masterstudiengang werden verschiedene Aspekte des Oberthemas „Stampflehm-Mauerwerk“ beleuchtet. Startpunkt der Arbeit ist jeweils eine entwurfliche Auseinandersetzung mit der Thematik, welche festgelegten Prinzipien folgt.

SoSe 2016

Im Sommersemester 2016 wurden verschiedene konstruktive Strategien des Erosionsschutzes untersucht. Ausgehend vom Grundvolumen eines 12DF–Steins galt es, in Anwendung unterschiedlicher Prinzipien Module im Maßstab 1:1 zu entwickeln. Anhand von Testwänden und deren künstlicher Beregnung wurde die Tauglichkeit der entwickelten Lösungen erprobt und bewertet.



SoSe 2015

Im Sommersemester 2015 wurden erste Studien zu Element-Geometrie, Fügung, sowie Maßnahmen des Erosionsschutzes unternommen. Die Untersuchungen mündeten in die Entwicklung von Elementen im Maßstab 1:1, welche von Hand in speziell hergestellte Holzschalungen gestampft wurden. Die verwendete Lehm-Mischung wurde aus vor Ort gewonnenem Material hergestellt, für sogenannte „Erosionsbremsen“ wurden Lagen aus Trass-Kalk-Mörtel mit in die Schalungen eingebracht und verstampft.

Zum Abschluss des Semesters wurde eine exemplarische Struktur unter Anwendung eines der entwickelten Elemente gemeinsam realisiert. Für die temporäre Installation vor dem Haupteingang der Architekturfakultät wurden 170 Elemente auf einem nahe gelegenen Gelände gefertigt, zum Aufstellort transportiert und vermauert.



Ansprechpartner: Dipl.-Ing. Philipp Hoppe
hoppe(a)bauko.arch.rwth-aachen.de

In Kooperation mit dem ManuLab und dem FormLab der Fakultät für Architektur