minimal.klinik

Ausstellung zum M2-Projekt im Studienjahr 2024/2025

Lehrstuhl für Baukonstruktion
Prof. Hartwig Schneider
Fakultät für Architektur
RWTH Aachen University

Neuplanung Level 1i – Krankenhaus

Mit fast 1.900 Krankenhäusern ist die Bundesrepublik Deutschland trotz abnehmender Anzahl (1991 waren es noch 2.411 Krankenhäuser) das Land mit der höchsten Bettenanzahl pro Kopf in Europa. Dabei sind viele dieser Krankenhäuser in die Jahre gekommen und in ihrer bisherigen Form, sowohl aus medizinischer als auch aus wirtschaftlicher Sicht, nicht mehr sinnvoll zu betreiben. Die grundsätzliche Neustrukturierung der deutschen Krankenhauslandschaft wird bereits lange diskutiert und soll nun mit der aktuellen Krankenhausreform umgesetzt werden. Bestandteil der Reform ist der Aufbau von zukünftig drei Stufen innerhalb der medizinischen Versorgung im Krankenhaus. Das so genannte Level Ii-Krankenhaus stellt dabei die wohnortnahe medizinische Versorgung sicher und ist als erste Stufe für die „Grundversorgung“ zuständig. Es folgt die Stufe „Regel- und Schwerpunkt-versorgung” mit Krankenhäusern, die im Vergleich zur Grundversorgung noch weitere Leistungen anbieten und mündet in der “Maximalversorgung”, die zumeist über die Universitätskliniken abgedeckt wird.

Der geschätzte Investitionsbedarf von jährlich mehreren Milliarden Euro für die Umsetzung der Reform zeigt die Dimension der damit verbundenen Bauaufgabe, die zugleich eine hohe gesellschaftliche Relevanz entwickelt. Im Rahmen des M2-Projekts „minimal.klinik“ soll ein 1i-Krankenhaus in zeitgemäßer Form neu geplant werden. Das Projekt ordnet sich dabei in das aktuelle Schwerpunktthema „Leicht Bauen“ des Lehrstuhls ein und sucht damit auch nach minimierten Konstruktionen innerhalb der Bauaufgabe.

Eine Aufgabe innerhalb des M2 Projekts ist es, das Raumprogramm für eine Neuplanung eines Level 1i Krankenhauses genauer zu untersuchen und für das Projekt möglichst allgemeingültig zu definieren. Um der zu erwartenden Dynamik im Bereich der Gesundheitsbauten Rechnung tragen zu können, ist die Adaptivität ein zentraler Schlüssel für die Zukunftsfähigkeit und des Gebäudes. Die Neuformulierung eines Typus ist zugleich auch als Chance zu sehen den Krankenhausbau hinsichtlich seiner architektonisch-räumlichen Qualitäten im Sinne einer „healing architecture“ grundsätzlich anders zu denken.

Die zuvor beschriebene Anpassungsfähigkeit des Gebäudes führt zwangsläufig zur Frage nach der geeigneten Gebäudestruktur. Im Bereich des Krankenhausbaus hat sich seit Jahrzehnten der Skelettbau als Standard etabliert. Doch auch innerhalb dieses Konstruktionsprinzips bleiben planerische Herausforderungen. Wie gelingt es die gewünschte Robustheit des Gebäudes mit einem angemessen (Material-) Aufwand zu erzielen und was ist das geeignete Material dafür, auch hinsichtlich der besonderen Brandschutzanforderungen. Vor dem Hintergrund des hohen Veränderungs- und Kostendrucks könnte der Krankenhausbau exemplarisch die Themen der anstehenden Bauwende abbilden. Themen, wie Standardisierung und Rückbaubarkeit sind angesichts des prognostizierten Bauvolumens von besonderer Relevanz.

Ort

Das Grundstück 1 befindet sich in einer dicht bebauten Lage im Kölner Stadtteil Ehrenfeld unweit des Bahnhofs und ist bisher Standort des Cellitinnen-Krankenhaus St. Franziskus. Dieses Krankenhaus ist mit seinem Gebäudekonglomerat typisch für ein vergleichsweise kleines Krankenhaus in dieser Lage. Für das M2-Projekt wird angenommen, dass die gezeigte Grundstücksfläche für den Neubau des Level 1i Krankenhauses genutzt werden kann. Mit seinem vom Wohnen und Handel geprägten Umfeld ist dieses Grundstück mit Fragen der städtebaulichen Integration und Quartiersanbindung verbunden.


Das Grundstück 2 befindet sich auf der Bodensee-Halbinsel Mettnau, die zum Stadtgebiet von Radolfzell gehört. Der Kneipp-Kurort verfügt über mehrere medizinischen Reha-Einrichtungen sowie zwei Krankenhäuser, die von der anstehenden Krankenhausreform betroffen sein werden. Für das M2-Projekt wird einer der vorhandenen Klinikstandorte als freigeräumtes Baufeld angenommen. Hier spielt die ufernahe Lage mit den angrenzenden Parkflächen sowie die damit verbundenen Ausblicke eine besondere Rolle im Entwurfsprozess. Das Grundstück steht damit stellvertretend für landschaftlich reizvolle Standorte, wie sie sich in ländlichen Räumen oder der städtischen Peripherie finden lassen.


Ausgewählte Arbeiten:


Lehrpersonen:

Prof. Dipl.-Ing. Hartwig Schneider
Dipl-Ing. Nicole Bode-May
Dr.-Ing. Carsten Eiden
Dipl.-Ing. Jan Michel Hintzen