Postfossile Strukturen

Die Nordsee entwickelt sich zu einem energetischen Maschinenraum Europas. Offshore-Windparks, Wasserstoffproduktion, Netzausbau und LNG-Terminals stehen im Zentrum einer energiepolitischen Neuordnung. Spätestens seit dem Ende des vermeintlich günstigen russischen Gases zeigt sich, wie eng Energiefragen mit geopolitischer Stabilität, industrieller Produktion und alltäglichem Leben verknüpft sind.

Energie ist kein abstraktes System – sie ist ein grundlegender Bestandteil der Produktion von Architektur.

Im M1-Projekt untersuchen wir die Nordsee als „Powerhouse Europe“. Welche architektonischen Typologien entstehen mit dem Ausbau der Offshore-Windenergie? Welche konstruktiven Prinzipien lassen sich daraus ableiten? Und wie können Industrieanlagen neben funktionaler Effizienz auch räumliche Qualität und architektonische Eigenständigkeit entwickeln? Welche Rolle spielen dabei Modularität, Maßstab, Skalierbarkeit und serielle Fertigung – und lässt sich eine eigenständige räumliche Identität postfossiler Energieflüsse denken?

Ausgehend von analytisch-konstruktiven Stegreifentwürfen entwickeln die Studierenden spekulative räumliche Strategien zu eigenständig zu entwickelnden Thesen. Im Zentrum steht das physische Modell als Entwurfs- und Präsentationsinstrument: großmaßstäbliche Prototypen, die konstruktive, materielle und strukturelle Logiken sichtbar und überprüfbar machen. Digitale und robotische Fertigungsmethoden kommen gezielt zum Einsatz.

Das M1-Projekt wird von Gustav Düsing geleitet. Der Seminarraum des Lehrstuhls steht den Studierenden während des gesamten Semesters als gemeinsamer Arbeitsraum zur Verfügung. Der Kurs versteht sich als kollektives Projekt, das unterschiedliche Maßstäbe, Ansätze und Konstruktionstechniken zusammenführt. Erwartet werden eine eigenständige Haltung, präzise Fragestellungen und die Weiterentwicklung von Modellbaufähigkeiten. Eine Exkursion an die Nordsee Ende April ist verpflichtender Bestandteil des Projekts. Das Wahlfach „narratives for a postfossile horizon“ knüpft unmittelbar an das M1-Projekt an und ist daher entsprechend zu belegen.

Link zur Ausstellung "Technosphären" an der UdK Berlin unter der Leitung von Gustav Düsing →


ModulProjekt M1, 15CP

LehrpersonenVertretungsprofessor Gustav Düsing
Judith Baumeister, M. Sc. Architektur
Dr.-Ing. Carsten Eiden
Dr.-Ing. Carolin Harland
Michel Kleinbrahm, M. Sc. Architekt

Betreuungendienstags

Ausgabe14.04.2026
Endkolloquium/Vernissage 14.07.2026


[Fotos: Leonhard Clemens]